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Detailprofil Kinder- und Jugendliteraturforschung (KJLF)

Die Thematik Kinder- und Jugendliteratur (KJL) ist mit Blick über Österreich hinaus seit Jahren und Jahrzehnten Gegenstand intensiver Forschung, die international durch eine Vielzahl von universitären Institutionen repräsentiert wird. Darüber hinaus ist eine ganze Reihe von nationalen und internationalen Organisationen zu nennen, die sich mit KJL bzw. KJLF im engeren Sinn bzw. damit verbunden mit Leseforschung und Lesesozialisation befassen und in Österreich keinen unmittelbaren Ansprechpartner auf universitären Boden antreffen.

Der Erweiterungsbereich KJLF
wurde aus einem Proseminar entwickelt, das in den letzten Jahren in enger Zusammenarbeit mit der „Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung“ (ÖGKJLF http://www.biblio.at/oegkjlf/ Gründungsjahr 1999) und der „Studien und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur“ (STUBE http://www.stube.at/) den Bereich KJL als Thema der Forschung erkennbar macht und mittlerweile eine kontinuierliche Forschung und Lehre aufgebaut und betreut hat.

1. Zentrale Arbeitsfelder

In Zusammenarbeit zwischen der ÖGKJLF und der STUBE
werden jährlich internationale Symposien veranstaltet, erfolgt eine rege Publikationstätigkeit („Kinder- und Jugendliteraturforschung in Österreich. Veröffentlichungen der ÖGKJLF“, Fachzeitschrift „libri liberorum“) und werden Projekte zur Kinderbuchforschung erarbeitet (derzeit ein „Handbuch zur KJL in Österreich 1900-1950).

Im Angebot der Lehrveranstaltungen zum Bereich KJL
werden bewusst unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Demnach soll Kinder- und Jugendliteraturforschung

  • durch universitäre Institutionalisierung Gegenstand sowohl der Forschung als auch der Lehre sein.
  • nicht nur jeweils aktuelle literarische Produktion im Blickfeld haben, sondern auch die Dimensionen der historischen KJL-Forschung.
  • nicht nur didaktische Zielsetzungen verfolgen, sondern ihre Thematik als Teil des gesamten literarischen Geschehens eines Landes behandeln bzw. einzelne kinder-/jugendliterarische Werke eines Autors/einer Autorin als Teil ihres gesamten literarischen Oeuvres begreifen.
  • bei den von ihr untersuchten Werken in besonderer Weise die nationalgeschichtlichen Bedingungen dieser Literatursparte berücksichtigen.

Dabei ist einerseits der theoretische Diskurs, der im deutschen Sprachraum vorrangig in Deutschland vorangetrieben wurde, wahrzunehmen, andererseits aber auch die Anwendbarkeit dieses Diskurses auf die Entwicklung dieser Literatursparte in Österreich immer wieder kritisch zu überprüfen und durch spezifische theoretische Ansätze zu ergänzen bzw. in Frage zu stellen.

In den angebotenen Lehrveranstaltungen
wird das literarische System KJL als Teilsystem einer generellen, integrativen Poetik bzw. als Teilsystem einer generellen, integrativen Literaturgeschichte verstanden. Weiters werden die jugendkulturellen Implementierungen untersucht und damit interdisziplinäre Verweise auf Kunstgeschichte, Bildwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaften und Cultural Studies betont.

2. Gesellschaftliche Aufgaben / Kooperationen

Die KJL stellt insbesondere mit ihren Distributionsbedingungen
und mit ihrer medialen Verbreitung einen eminenten Faktor in der Lesesozialisation dar. Zum einen ist davon auszugehen, dass KJL das erste und vielfach prägende Medium im Erwerb von Lesekompetenzen darstellt, zum anderen davon, dass ein nicht geringer Anteil der Bevölkerung diesen Horizont der Leseerfahrung sowie das gesonderte Feld der Trivialliteratur nur allenfalls in Ansätzen bzw. allein durch schulische Lektüre überschreitet.

Studierende sowohl aus dem Lehramts- als auch dem Diplom- und Doktorratsstudium
bekunden in zunehmendem Maße Interesse an diesem Fach. Die TeilnehmerInnenzahlen an den Lehrveranstaltungen zeigen, dass das Interesse der Studierenden des Diplom- und Doktoratsstudiums zumindest so hoch ist wie jenes der Lehramtsstudierenden.

Durch eine Implementierung der KJLF
in den Bereich universitärer Forschung und Lehre haben sämtliche Forschungsgesellschaften im In- u. Ausland universitär verankerte AnsprechpartnerInnen. In enger Zusammenarbeit mit der ÖGKJLF lassen sich nach außen hin AnsprechpartnerInnen etablieren, die in Fragen der KJLF zur Verfügung stehen. KJLF soll auf diese Weise als integrativer Bestandteil der Literaturwissenschaft wahrgenommen werden.

3. Unsere Geschichte

Das Proseminar im Rahmen der Germanistik Wien
war immer extern besetzt. In den letzten Jahren konnte durch Verbesserung in der Kommunikation mit anderen Universitäten der Gegenstand nachhaltiger etabliert werden. An der Universität Wien sind ohne Zweifel als Folgewirkung des Proseminars KJL in zunehmendem Maße Diplomarbeiten und Dissertationen entstanden. Mittlerweile hat sich der Bereich KJLF verfestigt und kann sowohl im ersten als auch im zweiten Studienabschnitt angeboten werden.

Heute ist KJLF ein Bereich,
der bei den Studierenden großen Anklang findet. Im Proseminar bzw. Seminar im WS 04/05 nahmen je über 70 Studierende teil. Zu beiden Lehrveranstaltungen musste ein zweiter Termin angeboten werden, wie auch schon zum Proseminar im SS 04. Somit sind nunmehr vier Lehrveranstaltungen voll ausgelastet, womit im Vergleich zu den beiden Jahrzehnten davor, wo immer nur ein Proseminar eingerichtet war, ein erheblicher Zuwachs an jungen Forschungskapazitäten gegeben ist.

4. Unsere Zukunft

Im Sinne einer Erfüllung der genannten Zielsetzungen
soll das Erweiterungsgebiet KJLF nicht nur in die Lehramtsausbildung, sondern als ein eigener Forschungszweig der Germanistik auch dem Doktoratsstudium eröffnet und als integrativer Teilbereich dieser Studienrichtung festgeschrieben werden. KJLF soll damit auch mit Vorbildstatus für Vermittlung und Kritik dieser Literatursparte fungieren, in der KJL immer noch anlassbezogen wahrgenommen wird.

5. Besonderheiten der KJLF in Wien

Die Universität Wien ist die einzige in Österreich,
in der zwei Personen kontinuierlich im Rahmen ihres zentralen Gebietes, der KJL-Forschung, lehrend und forschend tätig sind. Die Festigung der bisherigen Bestrebungen im Sinne einer Aufwertung zu einer eigenen Abteilung hat somit weniger den Charakter der Konkurrenz als vielmehr den einer Innovation. 

Institut für Germanistik
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