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Detailprofil Kinder- und Jugendliteraturforschung (KJLF)

Kinder- und Jugendliteraturforschung (KJLF) beschäftigt sich mit Kunstformen der Literatur für Heranwachsende. Sie agiert dabei weitgehend unabhängig von zentralen Fokussierungen auf pädagogische Funktionen.
Der Bereich KJLF am Institut für Germanistik wurde in den 1980er Jahren aus einem regelmäßig stattfindenden Proseminar entwickelt. Seither finden konstante Bemühungen um den Ausbau des Bereichs durch kontinuierliche Lehre am Institut statt.

1. Zentrale Arbeitsfelder

KJLF setzt sich anhand wissenschaftlicher Fragestellungen und Untersuchungsperspektiven mit Kinderliteratur und Jugendliteratur auseinander. Neben der Beschäftigung mit künstlerischen Ausdrucksformen werden auch Entstehungs- und Vermittlungsprozesse mit einbezogen: KJLF erfordert eine Sensibilisierung für einen anderen Zugang zu Distribution und Textpflege, als er im allgemeinen Literaturbetrieb üblich ist, und der damit auf spezielle Vorstellungen und Bewertungsmaßstäbe hinweist.  KJL wird  als Teilsystem einer generellen Poetik und Literaturgeschichte verstanden. Eine Auseinandersetzung mit diesem Bereich enthält daher sowohl diachrone als auch synchrone Zugänge. Erstere setzen sich u.a. mit der Herausbildung und Entwicklung von KJL als eigenständiger Sparte in einem historischen Kontext auseinandersetzen, während letztere sich überwiegend mit aktuellen Ausprägungen u.a. im Zusammenhang mit medialen Erzählformen beschäftigt. Im Angebot der Lehrveranstaltungen zum Bereich KJL am Institut wurden und  werden im Einklang mit diesen Aspekten bewusst unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.
Es ist davon auszugehen, dass KJL das erste und vielfach prägende Medium im Erwerb von Lese- und Literaturkompetenzen darstellt. Daher berühren die Themenbereiche Lesesozialisation und Literalität den Bereich KJLF, der auf diesem Weg eine Brücke zu Fachdidaktik und Erziehungs- und Bildungswissenschaft schlägt. Die Auseinandersetzung mit KJL favorisiert einen komparatistischen Zugang, da Impulse für Themen und Erzählformen häufig nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Für eine Beschäftigung mit historischer KJL sind Berührungen mit den Geschichtswissenschaften essentiell. Weiters findet angesichts von Bedeutung der Neuen Medien und jugendkulturellen Entwicklungen eine Vernetzung etwa mit den Forschungsfeldern Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Kunstgeschichte und Cultural Studies statt.

2. Gesellschaftliche Aufgaben / Kooperationen

KJLF innerhalb der Sprach- und Literaturwissenschaften dient der Auseinandersetzung mit der Vielfalt an Kunstformen innerhalb dieser Sparte in Hinblick sowohl auf historische als auch auf zeitgenössische und aktuelle Texte. In der Beschäftigung mit KJL in Österreich sollen auch nationalgeschichtliche Bedingungen berücksichtigt und der Bereich als Teil des literarischen Geschehens des Landes behandelt werden. Vor allem angesichts aktueller Diskurse über All-Age- und Cross Over-Literatur ist eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Besonderheiten von KJL als Handlungssystem mit ihren Praktiken der Zuschreibung und Vermittlung und als Symbolsystem mit ihren künstlerischen Ausdrucksformen wichtig.
Die KJLF am Institut für Germanistik arbeitet in enger Kooperation mit den örtlichen Institutionen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung, des Instituts für Jugendliteratur  und der STUBE - Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur. Darüber hinaus steht der Bereich in Verbindung mit nationalen und internationalen  Forschungsstellen wie der Arbeitsstelle für KJL in Klagenfurt,  dem Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt am Main , der ALEKI – Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung  und dem Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien. Aktiver Austausch im deutschsprachigen Raum findet beispielsweise über regelmäßige Teilnahme an den  Jahrestagungen der Deutsch-schweizerischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung  statt.
Dieses effektive Netzwerk stellt optimale Voraussetzungen für Lehre, Forschung und Nachwuchsförderung dar. Die Studierenden werden von Seiten der Wiener Kooperationspartner_innen u. a. durch Zugangsmöglichkeit zu einer spezialisierten Fachbibliothek, durch eine Vielzahl von  Veranstaltungen zur KJL und Praktikumsmöglichkeiten unterstützt. Nachwuchswissenschaftler_innen im Bereich KJLF werden, neben spezialisierungsorientierten Lehrveranstaltungen für  den Studienabschluss (Diplomanden- und Dissertant_innenseminare bzw. Masterseminare) am Institut für Germanistik, durch international ausgerichtete Graduiertentagungen (2013 und 2015) in Kooperation mit dem Institut für Religionspädagogik der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Prämienvergaben für Abschlussarbeiten durch die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung gefördert.

3. Unsere Geschichte

Am Institut für Germanistik werden zur KJL regelmäßig seit den 1980er Jahren Proseminare und seit 2005 Vorlesungen angeboten.  Diese Lehrveranstaltungen wurden bislang ausschließlich von Privatdozent_innen und externen Lektor_innen gehalten. Seit 2014 dient eine halbe Post-Doc-Stelle als Ausgangspunkt für eine stärkere Verankerung der KJLF am Institut.
Teilnehmer_innenzahlen an den Lehrveranstaltungen und Wartelistenumfänge  demonstrieren ein hohes Interesse der Studierenden sowohl aus dem Lehramts- als auch dem Bachelor-, Master- und PhD-Studium. Das spiegelt sich auch an der zunehmenden Zahl an Abschlussarbeiten in diesem Forschungsbereich.
Eine Bibliographie der Hochschulschriften in Österreich zur Kinder- und Jugendliteraturforschung (Stand August 2014) finden Sie hier.
Dem dringenden Bedarf an Lehrangebot wurde im Zuge der Erneuerung des Curriculums für das Lehramtsstudium Deutsch (2014) Rechnung getragen: Die Einführung einer obligatorischen Vorlesung zum Bereich KJL ergänzt das bisher vorhandene Angebot [Seite 6].
Während Themenvorlesungen und Proseminare einen Überblick über spezifische Bereiche von KJL oder deren Gattungs- und Motivvielfalt bieten, wird durch das institutsübergreifende Angebot an Vortragenden im Rahmen der Ringvorlesungen angestrebt die Hörer_innen auf konkrete Arbeitsfelder hinzuweisen und diese zu vertiefen.

4. Besonderheiten der KJLF in Wien und ihre Zukunft

Der Forschungsstandort Wien verfügt nicht zuletzt aufgrund der Dichte von Institutionen und Spezialist_innen, die sich mit KJL beschäftigen, über großes Potenzial.  Ziel des fächerübergreifenden Bereichs KJLF am Institut für Germanistik  ist es, kontinuierliche Forschung und Lehre zu dieser Literatursparte aufrecht zu erhalten und auszubauen.
Neben der Zusammenarbeit mit den genannten Kooperationspartner_innen bietet die Etablierung von KJLF als Schwerpunkt auch die Möglichkeit, bestehende Zusammenarbeit mit anderen Instituten und Fakultäten auszuweiten, wie es bereits über die Ringvorlesungen und Graduiertentagungen geschieht. Nationale sowie internationale Aktivitäten sollen auf universitärer Ebene sichtbar sein und u.a. über Publikationstätigkeit in Schwerpunktreihen abgebildet werden.

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