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Forschungsschwerpunkte

André Meinunger

 

Mein linguistisches Interesse hat sich schon immer hauptsächlich auf grammatische Phänomene gerichtet, die sowohl sprachübergreifend (also typologisch) als auch theoretisch von Interesse sind.  Die Hauptquelle meiner Daten war fast immer meine Muttersprache Deutsch - der theoretische Rahmen war stets eine möglichst unkontroverse und auch für Vertreter anderer linguistischer Schulen verständliche Version der Generativen Grammatik. Da ich verschiedene Sprachen studiert habe und mehr oder weniger gut beherrsche, versuche ich ständig, Sprachspezifisches (Deutsches) und Universal-Grammatisches im Zusammenhang zu sehen. Ein bestes Beispiel dafür ist meine Dissertation - hauptsächlich zur Wortstellung im deutschen Mittelfeld. Ausgearbeitet wurde eine Syntax der Anordnung von Argumenten und Adjunkten aufgrund ihrer Rolle im Diskurs, wobei ebendieses Phänomen, genannt Scrambling, mit verwandten grammatischen Prozessen und Konstruktionen in anderen teilweise nah verwandten, teilweise "exotischen" Sprachen vergleichen wurde.

Meine weiteres großes Interesse gilt der Diskussion um Sprachnorm, Sprachpflege und damit dem öffentlichen Diskurs um Sprache, Grammatikschreibung und Linguistik. Seit der Leipziger Buchmesse 2008 ist mein Band "Sick of Sick? - Ein Streifzug durch die Sprache als Antwort auf den Zwiebelfisch" auf dem Markt. In dem Buch geht es um eine sprachwissenschaftlich fundierte, aber unterhaltsame und populärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Aussagen der populären, öffentlichen Sprachkritik. Dieses Projekt, das auch in den Medien diskutiert wird, hat mich an die noch intensivere Auseinandersetzung mit Fragen der Normdiskussion, Standardisierung, Sprachbewusstsein und die breit angelegte Vermittlung all dessen geführt. Zahlreiche Arbeiten und Vorträge sind daraus erwachsen und entstehen weiter.

Zur Grammatik:
In der jüngeren Vergangenheit habe ich mich in einem Projekt mit Hauptsatzphänomenen in untergeordneten Nebensätzen befasst. Auch in Zukunft soll die Thematik der Realisierung von satzartigen Argumenten eine Rolle spielen. Mich interessiert, wie die Gradualität Hauptsatz...-...Nebensatz, eine Beobachtung, die auch und vor allem in funktionalistischen Theorien beschrieben wurde, formalisiert und in einen generativ orientierten Ansatz integriert werden kann. Dabei gehe ich der Frage nach, bis zu welchem Grade das Verb-zweit-Phänomen im Germanischen mit dem der Indikativ / Subjunktiv-Lizensierung in den romanischen Sprachen gleichgesetzt werden kann. Diese eher syntaktische Thematik hat weitreichende Konsequenzen und verspricht interessante Hypothesen bezüglich Illokution und Sprechakt und liegt somit an der Schnittstelle zur Pragmatik.

Seit kurzen arbeite ich in einem Projekt zur Satzverknüpfung, wo es um die Integration von Sätzen oder größeren Einheiten in wiederum andere Sätze geht:

Hierbei interessieren mich besonders semantische, syntaktische oder auch phonologische Widersprüche bei der Integration und den damit zusammenhängenden Klammer-Paradoxen oder "mismatches"; Phänomene also, die sich der "normalen Kompositionalität" entziehen. Hier sind wichtige Erkenntnisse über die Einbettung der Sprachfähigkeit in andere, interagierende kognitive Systeme und deren Zusammenspiel zu erwarten. Erste Arbeiten untersuchen komplexe Numerale, Kardinalzahl-Konstruktionen wie dreiundzwanzig Bücher - in verschiedenen Sprachen und Sprachstadien des Deutschen. Folgen sollen Zitatkonstruktionen, komplexe Namen, Integration von Gesten oder meta-sprachlichen Ausdrücken u. s. w..

Und eben diese Forschung soll auch Ausgangspunkt für mein weiteres Interesse sein: der Spachverarbeitung im Gehirn. Zuletzt war ich (Mit-) Antragsteller eines DFG-Projekts zur mentalen Prozessierung bestimmter präfigierter Verben. Diese Expertise soll nun einfließen in zukünftige Arbeiten zur Untersuchung kognitiver Vorgänge beim Produzieren und Verstehen von Konstruktionen, wo sich sprachlichen und sprach-ähnlichen Zeichen mischen und interagieren.

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