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Thomas Eder  (Wien)

 

Wo findet der poetische act statt?

 

 

Abstract

H.C. Artmanns Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes ist die, vielleicht ironische, Abrechnung mit schriftlich überlieferter, mündlich ausgesprochener, vielleicht sogar je in Zeichenform gebrachter oder auch nur still in innerer Rede gedachter Poesie. Das Skandalon dieser Proklamation ist, dass damit der ganze Ansatz über Bord zu gehen scheint, dem zufolge ein Rezipient aus der Struktur bestimmter sprachlicher oder bildlicher Zeichenkonfigurationen eine bestimmte Bedeutung mit Hilfe der geltenden Interpretationsregeln entnehmen könne. Diesen Grundpfeiler einer auf ihren Zeichencharakter fixierten Kunst- und Literaturbetrachtung reißt Artmanns Acht-Punkte-Proklamation nieder: generell scheint der Annahme widersprochen, dass gleichen Zeichen gleiche Bedeutung und verschiedenen Zeichen verschiedene Bedeutung entspräche. Als Alternative hat Artmann die Hinwendung auf die Vorstellungswelt des Darstellenden und des Lesenden anzubieten.

Ich werde in meinem Beitrag diese radikale Linie Artmanns, die – wäre sie nicht ironisch – letztlich auch gegen das eigene Werk gewendet werden könnte, mit den Überlegungen Oswald Wieners aus den Jahren der Wiener Gruppe zu konturieren und mitunter auch zu kontrastieren versuchen.

 

 

Thomas Eder, geb. 1968 in Linz, Literaturwissenschaftler, lebt in Wien. Fachreferent für Publikationen im Bundeskanzleramt/Bundespressedienst, Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik der Universität Wien, Leiter der Sparte Literatur im kunsthaus muerzzuschlag.

     Buch-Publikationen u.a.: „Unterschiedenes ist / gut“. Reinhard Priessnitz und die Repoetisierung der Avantgarde (2003); Zur Metapher (Hg. mit Franz Josef Czernin, 2007); Heimrad Bäcker (Hg., 2008) „verschiedene sätze treten auf“. Die Wiener Gruppe in Aktion (Hg. mit Juliane Vogel, 2008); Lob der Oberfläche. Zum Werk von Elfriede Jelinek (Hg. mit Juliane Vogel, 2010); Seitenweise. Was das Buch ist (Hg. mit Samo Kobenter u. Peter Plener, 2010); Erfundene Erinnerung. Literatur als Mittel von Gedächtnisbildung und -reflexion (Hg., 2013); Dichtung für alle. Wiener Ernst Jandl Vorlesungen zur Poetik – Nitzberg, Kronauer, Schmatz (Hg. mit Kurt Neumann, 2013); Selbstbeobachtung. Oswald Wieners Denkpsychologie (Hg. mit Thomas Raab, 2013); Kosmöschen Steiger. Zum Werk von Dominik Steiger (Hg., 2013).

 

 

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