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Sonja Kaar  (Weiz)

 

Hauptsache Nebentext.

Zur Funktion der Paratexte in H.C. Artmanns Theaterstücken

 

 

Abstract

Ausgehend vom vierten Absatz der acht-punkte-proklamation des poetischen actes werden in dem Vortrag die Funktionen der Nebentexte und Paratexte im dramatischen Werk H.C. Artmanns untersucht. Nach der definitorischen Erklärung der Terminologie stehen jene dramatischen Texte Artmanns im Fokus, welche ausschließlich aus Neben- oder Paratexten bestehen und damit einen losen Spielrahmen schaffen: Pantomime (1952) und Canevas (1954).

Artmanns Strategie bei der Wahl der Paratexte in Form von Titeln, Untertiteln und Gattungstiteln weist ihn als Autor der Avantgarde aus, die Widmungen der frühen Stücke aus den Jahren 1954 und 1955 dokumentieren die Nähe zu den Autoren der Wiener Gruppe und wichtigen Kontaktpersonen aus seinem Umfeld.

Am Beispiel von drei 1963 in Malmö entstandenen Stücken, so genannten „Einminutenstücken“, wird der Theaterzettel mit fingierten Angaben zu Ort und Zeitpunkt einer Uraufführung als Persiflage entlarvt; der Nebentext am Schluss der Stücke ist  Instrument der Parodie auf das Theater selbst und trägt zur Unaufführbarkeit der Stücke bei. Eine Umsetzung auf der Bühne müsste den Nebentext mitinszenieren, wie dies vorbildlich im Kabinetttheater von Julia Reichert geschieht.

 

 

Sonja Kaar, geboren 1948 in Weiz. Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte, Studium der Literaturwissenschaften in Wien. Lehrtätigkeit und Kulturorganisation im Bereich Literatur im Kunsthaus Weiz.

Mehrere Publikationen zu H.C. Artmann, u.a.: Donauweibchen, Dracula und Pocahontas. H.C. Artmanns Mythenspiele (gem. mit Kristian Millecker u. Alexandra Millner, 2003), H.C. Artmann. Texte und Materialien zum dramatischen Werk (2004), Beiträge in: Niemand stirbt besser. Theaterleben und Bühnentod im Kabinetttheater. Hg. von Alexandra Millner (2005); Aufbau wozu. Neues zu H.C. Artmann. Hg. v. Marc-Oliver Schuster (2010).

 

 

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