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Jacques Lajarrige  (Toulouse)

 

Von Aranjuez bis Zielort. Zur alphabetischen Erschreibung der Welt in den gedichten von der wollust des dichtens in worte gefaßt

 

 

Abstract

Die Problematiken von Stadt und Raum haben in den Geisteswissenschaften seit mehreren Jahrzehnten, nicht zuletzt seit dem sog. „spatial turn“, einen zentralen Stellenwert erhalten. Diese Entwicklung hängt bekanntlich u.a. mit den eng verbundenen Prozessen der Urbanisierung und der Globalisierung zusammen, die zu einer Auflösung bisheriger Orientierungsmuster und – aufgrund des sich rasant entwickelnden Massentourismus – zur Nivellierung der Perzeption und Darstellung erlebter Räume geführt haben. Die damit einhergehende Entstehung neuer Aneignungsformen der Geographie und raum-zeitlicher Konfigurationen soll am Beispiel des Bandes gedichte von der wollust des dichtens in worte gefaßt untersucht werden. 

      Vor der Folie postmoderner und poststrukturalistischer Theorien der Produktion von Raum (wie etwa H. Lefebvres Production de l’espace, B. Westphals Geokritik, M. Augés Nicht-Orte oder E. Sojas Third space) soll eine systematische Lektüre der sprachlichen, phänomenologischen und kulturellen Aspekte von Artmanns Erschreibung der Welt präsentiert und ferner dessen Stadt-Gedichte in den größeren Kontext der Reisethematik eingebettet werden, die er in immer neuen Variationen durchgespielt hat. Dabei soll gezeigt werden, wie die polyphonische Komposition des Zyklus, die sich durch einen fragmentarischen Schreibtsil, bzw. einen nicht selten selbtironischen, nostalgischen Grundtenor auszeichnet, in ein produktives Spannungsverhältnis tritt mit dem bekundeten Willen, die Welt in alphabetischer Reihenfolge systematisch zu erfassen.

     So zeichnet der Vortrag schließlich auch den poetischen Weg vom absoluten Raum über den abstrakten Raum zum emotional aufgeladenen Ort nach, der schließlich einzig und allein im Wort, dem letzten Refugium seiner Hybridität, existieren kann.

 

Jacques Lajarrige, Professor für deutsche Literatur und Kulturgeschichte, bis 2011 an der Université de la Sorbonne Nouvelle in Paris, seither an der Université de Toulouse II – Le Mirail, dort Leiter des Forschungszentrums Centre de Recherches et d'Études Germaniques. Geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift AUSTRIACA.
      Forschungsschwerpunkte: Literatur und Kulturgeschichte Österreichs, moderne und zeitgenössische Lyrik, deutschsprachige Literaturen des mitteleuropäischen Raums. Promotion mit einer Arbeit zum Frühwerk H.C. Artmanns.
      Mehrere Publikationen zu H.C. Artmann, u.a.: Hans Carl Artmann. Tradition littéraire et exercices de style (1992). Beiträge in: H.C. Artmann [= Dossier 3]. Hg. v. Gerhard Fuchs u. Rüdiger Wischenbart (1992);  Aufbau wozu. Neues zu H.C. Artmann. Hg. v. Marc-Oliver Schuster (2010). Daneben Übersetzungen Artmanns ins Französische: Message viride [Grünverschlossene Botschaft], Le soleil était un œuf  vert [Die Sonne war ein grünes Ei]. 
      Buchpublikationen u.a.: 
La poésie autrichienne depuis 1945. (Hg.) 1997.
Vom Gedicht zum Zyklus. Vom Zyklus zum Werk: Strategien der Kontinuität in der modernen und zeitgenössischen deutschsprachigen Lyrik. (Hg.) 2000.
Milo Dor: Budapest – Belgrad – Wien. Wege eines österreichischen Schriftstellers. (Hg.) 2004.
Littérature de voyage. Regards autrichiens sur le monde. (Hg. mit Jeanne Benay) 2007.
Mitteleuropa – Geschichte eines transnationalen Diskurses im 20. Jahrhundert. Bd. I : Mitteleuropa – Zur kulturellen Ordnung transnationaler Räume. (Hg. mit Walter Schmitz u. Giusi Zanasi) 2011.
      Zahlreiche Aufsätze und Vorträge zur österreichischen Literatur (z.B. I. Aichinger, R. Ausländer, E. Von Bauernfeld, M. Dor, E. Jelinek, F. Grillparzer, C. Ransmayr, G. von Rezzori, G. Rühm, E. Schlag).

 

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