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Marc-Oliver Schuster  (Wien)

 

Von Engeln und Monstern: Das Artmanneske

 

 

Abstract

Im Gegensatz zum Kafkaesken oder Bernhardesken ist das Artmanneske als charakteristische Eigenart in Artmanns stilistisch vielseitigem Werk nur unzureichend als Stilphänomen beschreibbar. Schon Peter Chotjewitz, der diesen Terminus in seiner Vorrede zur zweiten Auflage der Dramensammlung die fahrt zur insel nantucket von 1969 aufbrachte, berücksichtigte neben formalen und inhaltlichen Eigenschaften auch ästhetische bzw. ideologische Aspekte, wie etwa Artmanns Weigerung, seine Dramen realistisch auszurichten: „Das hervorstechendste Merkmal des Artmannesken ist, daß es nichts außer sich selbst ist“.

     Der Vortrag unternimmt eine genauere Bestimmung des Artmannesken, indem zuerst auf der Basis von Artmanns eigener Wortwahl zwei rhetorische Systeme als „weiß“ (bzw. „engelhaft“) und „schwarz“ (bzw. „monsterhaft“) vorgestellt werden, wobei diese Systeme unterschiedliche Textebenen betreffen: Titel und Motto, Handlung und Situation, Figuren und Namen, Bilder und Metaphern, bis hin zu Wortbildung und Typographie. Beide rhetorische Systeme verkörpern Artmanns ideologisch „weiße“ Autonomie-Ästhetik, entweder als direkter Ausdruck in „weißer“ Rhetorik oder als indirekter, v.a. ironischer, Ausdruck in „schwarzer“ Rhetorik. Zuletzt werden einige Quellen für diese zwei rhetorische Systeme vorgestellt, wobei auch Wien-spezifische Vorbilder erwähnt werden.  

 

Marc-Oliver Schuster, geb. 1968 in Linz, Studium der Germanistik, Philosophie u.a. in Salzburg und Toronto (Ph.D.); derzeit Leiter des Forschungsprojekts „H.C. Artmann: Werk und Kontext“ an der Germanistik der Universität Wien.

     Buch-Publikationen: Jazz in German-language Literature (2013; Hg. mit Kirsten Krick-Aigner); Semiotics and Postmodernity (2011; Themenheft von Semiotica; Hg. mit Rocco Capozzi); H.C. Artmann's Structuralist Imagination: A Semiotic Study of His Aesthetic and Postmodernity (2011); Aufbau wozu: Neues zu H.C. Artmann (2010; Hg.); Writing the Austrian Traditions: Relations between Philosophy and Literature (2003; Hg. mit Wolfgang Huemer).

 

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